BaufiBlick Daten · Ausgabe 08/2026

Leistbarkeits-Index: Was ein Haushalt je Bundesland finanzieren kann

Gleiches Modell, sechzehn Ergebnisse. Der Index zeigt, welchen Kaufpreis ein Zweipersonenhaushalt mit dem durchschnittlich verfügbaren Einkommen seines Bundeslands tragen kann — bei einheitlichen, vollständig offengelegten Annahmen. Alle Eingangsgrößen stammen aus amtlichen Quellen. Erscheint monatlich.

Der Befund: Die Grunderwerbsteuer schlägt das Einkommen

Nordrhein-Westfalen hat ein höheres verfügbares Einkommen je Kopf als Niedersachsen — und kann trotzdem 2.682 € weniger finanzieren. Der Grund ist allein die Grunderwerbsteuer: 6,5 statt 5,0 Prozent. Dasselbe Muster im Saarland, das gegenüber Thüringen 54 € mehr Einkommen je Kopf aufweist und dennoch 2.697 € weniger stemmen kann. Wo ein Land seinen Steuersatz ansetzt, entscheidet damit messbar mit darüber, was seine Haushalte kaufen können.

Alle 16 Bundesländer im Vergleich

Sortiert nach finanzierbarem Kaufpreis. Das verfügbare Einkommen je Einwohner ist der amtliche Wert für 2024; daraus wird ein Zweipersonenhaushalt modelliert.

#BundeslandEinkommen je KopfHaushalt/MonatTragbare RateGrEStKaufpreis
1Bayern33.113 €5.519 €1.282 €3,5 %302.918 €
2Baden-Württemberg31.944 €5.324 €1.213 €5 %282.054 €
3Hamburg31.909 €5.318 €1.211 €5,5 %280.032 €
4Hessen31.650 €5.275 €1.196 €6 %275.020 €
5Rheinland-Pfalz30.502 €5.084 €1.129 €5 %262.504 €
6Schleswig-Holstein30.214 €5.036 €1.113 €6,5 %254.384 €
7Niedersachsen29.087 €4.848 €1.047 €5 %243.310 €
8Nordrhein-Westfalen29.183 €4.864 €1.052 €6,5 %240.628 €
9Berlin27.510 €4.585 €955 €6 %219.498 €
10Brandenburg27.548 €4.591 €957 €6,5 %218.812 €
11Mecklenburg-Vorpommern26.951 €4.492 €922 €6 %212.007 €
12Sachsen26.858 €4.476 €917 €5,5 %211.923 €
13Thüringen26.589 €4.431 €901 €5 %209.438 €
14Bremen26.500 €4.417 €896 €5,5 %207.083 €
15Saarland26.643 €4.440 €904 €6,5 %206.741 €
16Sachsen-Anhalt26.352 €4.392 €887 €5 %206.231 €

Die Spanne zwischen Bayern und Sachsen-Anhalt beträgt 96.687 € oder 46,9 Prozent. Sie entsteht aus zwei Effekten: dem Einkommensunterschied und dem Steuersatz. Wie stark der zweite allein wirkt, zeigt die nächste Tabelle.

Der Steuereffekt isoliert

Dieselbe Rechnung, aber mit dem bayerischen Satz von 3,5 Prozent für alle. Die Differenz ist der reine Preis der Landessteuer — bei unverändertem Einkommen.

BundeslandGrEStreal finanzierbarbei 3,5 %Differenz
Schleswig-Holstein6,5 %254.384 €262.953 €+8.569 €
Nordrhein-Westfalen6,5 %240.628 €248.732 €+8.104 €
Hessen6 %275.020 €282.739 €+7.719 €
Brandenburg6,5 %218.812 €226.183 €+7.371 €
Saarland6,5 %206.741 €213.705 €+6.964 €
Hamburg5,5 %280.032 €286.321 €+6.289 €
Berlin6 %219.498 €225.660 €+6.162 €
Mecklenburg-Vorpommern6 %212.007 €217.958 €+5.951 €
Sachsen5,5 %211.923 €216.681 €+4.758 €
Baden-Württemberg5 %282.054 €286.804 €+4.750 €
Bremen5,5 %207.083 €211.732 €+4.649 €
Rheinland-Pfalz5 %262.504 €266.924 €+4.420 €
Niedersachsen5 %243.310 €247.408 €+4.098 €
Thüringen5 %209.438 €212.965 €+3.527 €
Sachsen-Anhalt5 %206.231 €209.704 €+3.473 €
Bayern3,5 %302.918 €302.918 €

Für Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Hessen liegt der Steuereffekt bei über 7.700 €. Das entspricht in etwa dem, was ein durchschnittlicher Haushalt dort in einem halben Jahr insgesamt zur Verfügung hat.

Rechenweg und Modellannahmen

Der Index misst Veränderung über die Zeit und Unterschiede zwischen Ländern, nicht die individuelle Leistbarkeit eines konkreten Haushalts. Alle Annahmen sind für alle Länder identisch und hier vollständig aufgeführt:

SchrittRechnungAnnahme
HaushaltseinkommenVerfügbares Einkommen je Einwohner ÷ 12 × 2Zweipersonenhaushalt
Tragbare RateHaushaltseinkommen × 35 % − Wohnfolgekosten650 € für Betriebskosten und Instandhaltung bei 130 m²
DarlehenRate × 12 ÷ (Sollzins + Tilgung) × 1003,7 % Sollzins, 2 % anfängliche Tilgung
KaufpreisDarlehen ÷ (0,8 + Nebenkostensatz)20 % Eigenkapital, Notar 2 %, Makler 3,57 %

Die Eigenkapitalquote ist als Anteil am Kaufpreis modelliert, nicht als fester Betrag — sonst würden einkommensschwächere Länder rechnerisch bevorzugt. Der Sollzins ist die einzige monatlich schwankende Größe und trägt damit die laufende Aktualität des Index.

Rohdaten zum Download

Der vollständige Datensatz als CSV, semikolongetrennt. Nutzung frei unter CC BY 4.0 — mit Quellenangabe „BaufiBlick Leistbarkeits-Index, Ausgabe 08/2026″ und Link auf diese Seite.

Häufige Fragen

Warum stehen hier keine Immobilienpreise?

Weil es dafür keine zitierfähige Primärquelle je Bundesland gibt. Destatis veröffentlicht den Häuserpreisindex als Index, nicht als absolute Quadratmeterpreise. Absolute Werte liegen bei sechzehn verschiedenen Gutachterausschüssen mit uneinheitlicher Erhebung und teils erheblichem Verzug. Frei verfügbare Zahlen stammen von Maklerportalen und sind Angebotspreise aus deren eigenem Bestand, keine Transaktionsdaten. Der Index verzichtet deshalb bewusst darauf und rechnet vom Einkommen aus — mit ausschließlich amtlichen Größen.

Warum ein Zweipersonenhaushalt?

Weil das verfügbare Einkommen amtlich je Einwohner ausgewiesen wird, eine Immobilie aber typischerweise von einem Haushalt finanziert wird. Die Annahme ist für alle Länder identisch und verzerrt den Vergleich deshalb nicht. Wer die Rechnung für die eigene Situation nachvollziehen will, nutzt den Budgetrechner mit den eigenen Werten.

Sind 35 Prozent Wohnkostenanteil nicht zu hoch?

Es ist eine bewusst gesetzte Obergrenze für ein Modell, keine Empfehlung. Sie liegt an der oberen Kante dessen, was als tragfähig gilt. Entscheidend für den Index ist, dass der Wert für alle Länder gleich ist — Veränderungen im Zeitverlauf und Unterschiede zwischen Ländern bleiben davon unberührt.

Wie oft erscheint der Index?

Monatlich. Das Zinsniveau wird jeden Monat aus der MFI-Zinsstatistik der Bundesbank aktualisiert, Einkommen und Einwohnerzahlen jährlich mit dem jeweils neuen Berichtsstand. Jede Ausgabe bleibt dauerhaft abrufbar, damit die Zeitreihe nachvollziehbar bleibt.

Darf ich die Zahlen verwenden?

Ja, ausdrücklich. Der Datensatz steht unter CC BY 4.0. Erforderlich ist die Quellenangabe „BaufiBlick Leistbarkeits-Index, Ausgabe 08/2026″ mit Link auf diese Seite. Für redaktionelle Anfragen, Sonderauswertungen oder einzelne Bundesländer genügt eine Mail an info [at] baufiblick [punkt] de.

Quellen und Stand

Gerechnet und redaktionell geprüft: 14. August 2026 · Die Summen der Einzelwerte wurden gegen die amtlichen Gesamtwerte für Deutschland abgeglichen.

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